PRESSEMITTEILUNG

Interview – 5 Fragen an Lars Jaeger zur Vorberichterstattung Agrarunternehmertage

Interview – 5 Fragen an Lars Jaeger zur Vorberichterstattung Agrarunternehmertage

 

Herr Jaeger, viele Betriebe empfinden die derzeitige Agrarpolitik als unberechenbar. Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Ausstellern und Besuchern – und was wünschen Sie sich persönlich von der Politik für die nächsten fünf Jahre? 

Wir hören sehr deutlich: Planungssicherheit ist das zentrale Bedürfnis. Es geht weniger darum, ob Anforderungen hoch oder niedrig sind, sondern darum, dass sich Regeln nicht im Jahrestakt ändern. Viele Betriebe sagen: ‚Gebt uns einen klaren Kurs über verlässliche Zeiträume, dann richten wir uns danach.‘ Ich wünsche mir von der Politik, dass sie stärker vom Betrieb her denkt – also Auswirkungen auf Investitionszyklen, Finanzierung und Arbeitsbelastung in der Praxis mitdenkt. Dafür braucht es verlässliche Übergangsfristen, bessere Abstimmung zwischen Bund, Ländern und EU und mehr Mut, bürokratische Prozesse radikal zu vereinfachen. 

 

Wenn Sie mit Landwirtinnen und Landwirten sprechen: Was sind aus Ihrer Sicht die größten mentalen Hürden beim Umbau hin zu mehr Klima- und Tierwohlstandards – und wie kann eine Messe wie die Ihre dazu beitragen, diese Hürden abzubauen? 

Die größte Hürde ist oft nicht das Fachwissen, sondern die Angst vor Fehlentscheidungen. Wer heute einen Stall oder eine Biogasanlage umbaut, entscheidet über Jahrzehnte. Viele fürchten, dass sich die Rahmenbedingungen schneller ändern als der Kredit abbezahlt ist. Genau hier kann die Messe helfen: Indem wir zeigen, wie es Kolleginnen und Kollegen konkret gemacht haben – mit Zahlen, Erfahrungen und auch mit Fehlern, aus denen andere lernen können. Wenn ein Landwirt einem anderen Landwirt erklärt, warum er welchen Weg gewählt hat, hat das oft eine ganz andere Überzeugungskraft als jede Broschüre.

 

Die gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft steigen, gleichzeitig sinkt bei vielen die Zahlungsbereitschaft für Lebensmittel nicht. Wie erleben Sie diesen Widerspruch im Gespräch mit der Branche – und sehen Sie neue Wege, diesen Konflikt zu entschärfen? 

Der Frust über diese Schere ist spürbar. Wer höhere Tierwohl-, Klima- oder Umweltniveaus liefern soll, braucht entweder höhere Erzeugerpreise oder verlässliche Honorierungssysteme. Ich sehe zwei Wege, die sich gerade herauskristallisieren: Erstens langfristige Partnerschaften zwischen Erzeugern und Vermarktung, bei denen Mehrleistungen verbindlich vergütet werden. Zweitens regionale Wertschöpfungsketten, in denen Verbraucherinnen und Verbraucher eine direktere Beziehung zum Erzeuger haben – sei es über Direktvermarktung, spezialisierte Programme oder regionale Marken. Messen können diese Partner zusammenbringen und erfolgreiche Modelle sichtbar machen. 

 

Blick nach vorn: Wie stellen Sie sich die AGRAR Unternehmertage im Jahr 2030 vor – was wird sich Ihrer Meinung nach im Vergleich zu heute deutlich verändert haben? 

Ich gehe davon aus, dass wir 2030 noch stärker systemische Lösungen sehen werden: Also nicht mehr nur einzelne Maschinen oder Stallelemente, sondern komplette Betriebs- und Vermarktungskonzepte – von der Technik über die Finanzierung bis zur Absatzstrategie. Digital wird vieles selbstverständlicher sein: Datenflüsse zwischen Stall, Feld, Buchhaltung und Vermarktung werden nahtloser, KI-Anwendungen alltäglicher. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass ein Punkt gleich bleibt: Der Bedarf nach persönlichem Austausch. Gerade weil alles komplexer wird, werden physische Treffpunkte wie unsere Messe eher wichtiger als unwichtiger.

 

Viele junge Menschen in landwirtschaftlichen Familien sind unsicher, ob sie den elterlichen Betrieb übernehmen sollen. Was hören Sie von dieser Generation – und was würden Sie ihr aus Ihrer Erfahrung heraus raten? 

Ich erlebe eine Generation, die sehr reflektiert und sich ihrer Verantwortung bewusst ist – aber auch kritisch fragt, ob sich dieser Weg lohnt. Mein Rat ist zweigeteilt: Erstens sollten junge Menschen den Betrieb wie ein Unternehmen betrachten: Welche Stärken und Schwächen hat er, welche Perspektiven, welche notwendigen Investitionen? Dazu gehört oft, sich externen Rat zu holen. Zweitens sollte man ehrlich prüfen, ob das eigene Herz wirklich für Landwirtschaft schlägt. Wer sich bewusst entscheidet und ein klares Konzept entwickelt, kann auch in diesen Zeiten sehr erfolgreich und zufrieden wirtschaften. Und genau solche Beispiele wollen wir auf der Messe sichtbar machen, um Mut zu machen.

 

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