An den Messehallen der AGRAR Unternehmertage 2022 zeigt es sich: Die Aussteller haben auf den Wiederbeginn der Landwirtschaftsmesse in Münster lange gewartet, und sie legen sich bei der Präsentation ihrer Angebote mächtig ins Zeug. Coronabedingt musste die Ausstellung zweimal verschoben werden. Umso mehr wollen die mehr als 320 Aussteller auf dem verfügbaren Platz (rund 20.000 qm) jetzt zeigen, was sich in der Zwischenzeit getan hat. Etliche nutzen den etablierten Messeplatz Münster, um ihre Neuentwicklungen zu präsentieren.
Traditionell sind die AGRAR Unternehmertage die wichtigste regionale Landwirtschaftsmesse in Deutschland. Alles dreht sich hierbei um die Schwerpunkte Erneuerbare Energien, Tierhaltung, Pflanzenbau, Beratung und Digitalisierung in der Landwirtschaft. In diesem Jahr stehen insbesondere die derzeitigen politischen Krisen im Fokus:
- Der Klimawandel stellt die Landwirtschaft vor große Veränderungen. Wie kann sie selbst dazu beitragen, die Erderwärmung zu stoppen? Was kann die Landwirtschaft tun, um selbst klimaresilient zu werden und weiterhin Lebensmittel hierzulande auf qualitativ hohem Niveau zu erzeugen? Wie kann sie sich selbst besser gegen Wetterextreme schützen, beispielsweise durch den Anbau neuer trockenresistenter Pflanzen?
- SmartFarming ist nicht nur ein großes Schlagwort, sondern die Digitalisierung hat mittlerweile in alle Bereiche der Landwirtschaft Eingang gefunden. Gezeigt wird auf der Messe beispielsweise ein neuer Feldroboter, der sehr gezielt für Saat, Pflanzenschutz und Düngung eingesetzt werden kann. Ein neuer Beitrag zur Präzisionslandwirtschaft. Des Weiteren gibt es beispielsweise neue digitale Vermarktungsplattformen (mit Live-Chat und Preisinformationen in Echtzeit) oder verschiedene neue HandyApps fürs Management in der Schweinehaltung.
- Traditionell stark vertreten sind Aussteller im Bereich der tierischen Veredlung (Schweine und Rinder bzw. Milchvieh). In diesem Jahr haben zudem etliche Unternehmen aus der Geflügelbranche den Weg nach Münster gefunden, mehr als je zuvor. Das spiegelt, dass dieser Betriebszweig für die Betriebe hierzulande immer bedeutender wird.
- Und es gibt Redebedarf: Viele weitere Themen machen den Landwirten aus Westfalen und Umgebung Sorgen: Wie sieht es mit der Grundsteuerreform aus? Können Einstieg oder Ausbau der Erneuerbaren Energien die Existenz des Betriebes sichern? Wie können die immer weiter steigenden Produktionskosten aufgefangen werden? Wie geht es mit dem Tierwohl weiter, das die Landwirte vorantreiben wollen? Die Veränderungsbereitschaft ist da. Aber allein die Genehmigung neuer Tierwohlställe muss viel zügiger erfolgen als bisher. Und lassen sich neue Tierwohlställe angesichts exorbitant gestiegener Bau- und Energiekosten, fehlender Planungssicherheit und schlechter Erzeugerpreise überhaupt realisieren?
Parallel zur Ausstellung an den Messeständen finden zudem wieder zahlreiche Vorträge und Diskussionsforen statt, die zum fachlichen Austausch beitragen und Neues aus der Wissenschaft vorstellen. Es geht um nichts weniger, als die Landwirtschaft zukunftsfähig und zukunftsfest zu machen. Aber immer mehr Landwirte kommen offenbar an ihre Belastungsgrenze, weil Politik und Gesellschaft immer mehr fordern und sie die Landwirte damit allein lassen. Wie das zu ändern ist, wird auf den AGRAR Unternehmertagen in einem Vortrag am Mittwoch, den 28.September um 20 Uhr (Halle Mitte, Stand 5112) Thema sein.
